Nubs: testnubs

    Julius Keilwerth

    Keilwerth-Saxophone gehörten zu den besten  auf dem Markt befindlichen Saxophonen. Neben Selmer, Yanagisawa und Yamaha bildeten sie einst die Big4. Während die beiden letzteren auf eine nicht so weit zurückreichende Geschichte in der Saxophonherstellung zurückblicken können, feierte Keilwerth im Jahre 2000 sein bereits 75-jähriges Firmenjubiläum. Oder doch nicht? Schauen wir mal, was die Zeit so brachte und noch bringen wird.
    Doch beginnen wir mit einer Klarstellung.

    Es kursieren immer wieder Gerüchte, die Weltklang, Luxor, Kohlert und Keilwerth in Verbindung bringen. Oft erreichen mich Mails, in denen ich gefragt werde, welche Saxophone Keilwerth nun für vorgenannte Hersteller gebaut hat. Ich habe hierzu eine Mail von Gaby Kerrmann von der Firma Keilwerth in Nauheim erhalten, die mir auch bei der Erstellung dieser Seite mit Informationen unter die Arme griff, die ein für alle Mal die Gerüchte beseitigen sollte.

    Mail dazu von Frau Kerrmann (Fa. Keilwerth):
    Kohlert
    hatte nichts mit Keilwerth zu tun. Kohlert war auch in Graslitz ansässig, die Firma wurde um 1900 gegründet und zog 1945 nach Winnenden bei Stuttgart. Die Produktion wurde gegen 1970 eingestellt.
    Weltklang - Luxor
    Die Weltklang Saxophone wurden nicht von Keilwerth gebaut, sondern von der Fa. VEB [Blechblas- und Signalinstrumente, d.L.] für den Großhändler Luxor. VEB war in Klingenthal im Vogtland ansässig. Die Weltklang Saxophone waren Student-Modelle.
    Julius Keilwerth fertigte auch Saxophone für Luxor, sie wurden unter dem Namen Van Hall vertrieben und waren semi-professionelle Instrumente. Wenn Keilwerth für Großhändler Sondermodelle gefertigt hat, dann waren es immer die eigenen Original Saxophone nur unter anderer Modellbezeichnung. Luxor war keine Tochtergesellschaft von Keilwerth, sondern wie bereits erwähnt ein Hersteller.
    Grüße

    Gaby Kerrmann
    Frau Kerrmann ist nicht mehr bei der Fa. Keilwerth tätig.
    Weiterhin gibt es den weitverbreiteten Irrtum Vosssaxophone seien alle Keilwerthstencils. Auch hier habe ich nachgefragt ob Keilwerth Voss Saxophone gebaut hat und wie die enormen Qualitätsunterschiede zustande kommen, die Voss Saxophone aufweisen. Ich habe damals von Herrn Gerhard Keilwerth folgende Antwort erhalten
    Mail dazu von Herrn Gerhard Keilwerth:
    Hallo Herr Hochheim,
    in den 50er Jahren wurden nur einige Voss Saxophone von Julius Keilwerth gebaut.
    Sie waren der Fa. Voss zu teuer von Julius Keilwerth, deshalb wechselten sie zu der
    Fa. Dörfler&Jörka. Später kauften sie Ihre Voss Saxophone in der DDR.
    1920 - 1938
    Seit 1920 arbeitete Julius Keilwerth in Heimarbeit für die Firma Oscar Adler. Oscar Adler stellte 1901 das erste deutsche Saxophon her. (Dies war der Nachbau eines französischen Saxophons).
    Bereits im Jahre 1925 gründete Julius Keilwerth die gleichnamige Firma in Kraslice, in der damaligen Tschechoslowakei. Bis 1918 hieß Kraslice noch Graslitz und gehörte zum österreichisch/ungarischen Teil Böhmens. Mit der Gründung der Tschechoslowakei 1918 wurde Graslitz zu Kraslice.
    Die Keilwerth-Saxophone waren schnell bekannt für ihre gute Qualität und die Nachfrage stieg an. Bereits 1930 zog die Firma Julius Keilwerth in die neu errichteten Firmengebäude um. Schon 10 Jahre nach Gründung gehörte Keilwerth dann zu den bekanntesten Saxophonherstellern.
    Die Nachfrage nach Keilwerth-Saxophonen stieg weiter an und die Firma wuchs. Auf Drängen Hitlers, wurden 1938 die deutschbesiedelten Gebiete Böhmens im Rahmen des "Münchener Abkommens" an das Deutsche Reich zurückgegeben. Kraslice wurde wieder Graslitz. Keilwerth wuchs weiter und weiter.
     
    1938 - 1945
    Nachdem Graslitz wieder deutsch wurde, entwickelte sich Keilwerth schnell weiter. Nach bereits kurzer Zeit, war Keilwerth der größte deutsche Hersteller von Saxophonen mit 150 Mitarbeitern. Bis 1945 änderte sich dies nicht. Der 2. Weltkrieg jedoch hatte auch seine Auswirkungen auf die Firma Keilwerth. Mit Ende des Krieges wurde Graslitz wieder tschechisch und hieß wieder Kraslice.
    Wie alle anderen Firmen wurde Keilwerth nach dem Krieg enteignet. Die Produktionsstätten gingen in das Firmenkombinat Amati (heute Denak-Amati) über. Amati übernahm sämtliche Maschinen und Fertigungsanlagen und produzierte die bis dahin durch Keilwerth produzierten Saxophone weiter. Auch Namen und Gravuren wurden unverändert weiterverwendet.
     
    1945 - 1962
    Julius Keilwerth hingegen muste Kraslice nun verlassen. Die "Vertreibung" betraf alle deutschstämmigen Einwohner. So wurde Julius Keilwerth mit seiner Familie am 12.09.1946 deportiert.
    Julius ließ sich wenig später in Nauheim nieder und begann mit einer Instrumentenreparaturwerkstatt von vorne.
    Keilwerth avancierte innerhalb kürzester Zeit wieder zu dem, was es mal war: zu einem der gefragtesten Hersteller von Saxophonen. Die Firma wuchs und produzierte Saxophone im großen Stil.

    1962 - 1989
    1962 starb Julius Keilwerth. Sein Sohn Josef Keilwerth übernahm nun die die alleinige Leitung des Unternehmens und führte es mit großem Erfolg weiter. Keilwerth war nun weltbekannt für seine Saxophone. So begann man für Selmer USA das Modell Bundy herzustellen. Hierbei handelte es sich um das von Keilwerth unter dem Namen New King vertriebene Modell. 1964 kamen die Modelle Superba I und Superba II sowie das Royalist für H. Couf hinzu. Das Royalist war dabei baugleich mit dem The New King von Keilwerth, das Superba I mit dem Toneking Spezial und das Superba II mit dem Toneking. Keilwerth blühte auf und wuchs weiter.
    1970 stellte Keilwerth den Bau anderer Instrumente vollends ein und stellte von nun an nur noch Saxophone her. In den 70er und 80er Jahren produzierte Keilwerth nun auch Saxophone für Amstrong und Conn. Für Amstrong baute Keilwerth die Heritage (Toneking) und Amstrong (The New King) Modellreihen, für Conn die Profiserie 90M (Toneking) bis 100M (Toneking Spezial).
    Doch auch an Keilwerth ging der weltweite Rückgang der Nachfrage, die aufkommenden "Billigmodelle" aus dem asiatischen Raum und die immer beliebter werdenden Selmer Saxophone, nicht spurlos vorüber. Die Absatzzahlen gingen zurück, 1989 ging Keilwerth in die Firmengruppe Boosey & Hawks über und wurde später in die W. Schreiber & Söhne GmbH integriert. Dies brachte den lang ersehnten Aufschwung für die Saxophone unter dem Namen Julis Keilwerth. Mit der weltumspannenden Vertriebsorganisation von Boosey & Hawks stieg der Bekanntheitsgrad und der Absatzmarkt enorm. Die Saxophone wurden wegen der berühmt gewordenen Fertigungsqualität weiterhin unter dem Namen Julius Keilwerth vertrieben. Keilwerth produzierte mehr Saxophone für den amerikanischen, als für den deutschen Markt.
     
    1989 - 2003
    Keilwerth konnte sich verlorene Marktanteile aufgrund der Eingliederung in die Firmengruppe Boosey & Hawks zurückerobern und ausbauen. Keilwerth-Saxophone waren nun weltweit gefragt. 2003 wurde aus der Boosey & Hawks das Unternehmen The Music Group, zu dem auch die französische Buffet Crampon, ein weiterer sehr bekannter Hersteller von Saxophonen, gehört.
    Seit 1989 ist Keilwerth somit kein eigenständiges Unternehmen mehr. Dennoch wurde der Markenname Keilwerth zu keiner Zeit aufgegeben. Die Saxophone wurden weiterhin unter dem Namen Julius Keilwerth produziert und vertrieben. Ob trotz des Verlustes der Eigenständigkeit Keilwerth im Jahre 2000 auf ein 75-jähriges Firmenjubiläum zurückblicken kann, weiß ich nicht - und das ist letztendlich auch egal.
    Unbestritten ist, dass Keilwerth qualitativ höchstwertige Saxophone hergestellt hat und unter diesem Namen immer noch unbestritten qualitativ höchstwertige Saxophone hergestellt werden. Wenn dies heute auch nur in sehr kleinen Stückzahlen geschieht. Während andere Hersteller verschwanden (Oscar Adler, Kohlert, Hohner etc. in Deutschland und Martin, Buescher etc. in den USA) oder qualitativ enorm absackten (Conn, Amati), hat Keilwerth sich trotz der Krisen behaupten können.
     
    2003 - 2010
    2006/07 verlegte Keilwerth die Produktion unter scharfen Protesten der Belegschaft nach Markneukirchen. Die Verwaltung verblieb zunächst noch in Nauheim.
    Im Februar 2007 eröffnete der Enkel von Julius Keilwerth, Gerhardt Julius Keilweth, eine kleine Werkstatt auf dem Gelände, auf dem die Firma Julius Keilwerth einst in Nauheim neu begann. Neben seiner Tätigkeit als Berater der Firma Schreiber & Keilwerth repariert und verkaufte er hier Saxophone.

    Seit 2009 ist Gerhardt Julius Keilwerth nicht mehr für Schreiber & Keilwerth tätig.
     
    2010 - 
    Anfang 2010 wurde bekannt, dass die Investorengruppe Rutland Partners, zu der The Music Group mittlerweile gehört, Schreiber & Keilwerth als letztes verbleibendes Unternehmen aus The Music Group verkaufen möchte. Dies gelang jedoch nicht. Am 15.03.2010 meldet Schreiber & Keilwerth Insolvenz an. Der Insolvenzverwalter sah jedoch gute Chancen das Unternehmen zu retten und sucht einen Käufer.
    Die französische Firma Buffet Crampon mit Sitz in Frankreich übernimmt die Reste der Firma Schreiber & Keilwerth. Die Jahrzehnte lange Zusammenarbeit mit Amati im nahegelegenen Kraslice werden aufgekündigt und mehr als die Hälfte der Mitarbeiter werden entlassen. Schwierigkeiten mit der sehr komplizierten Abwicklung für Ersatzteilbeschaffungen die alle über Frankreich abgewickelt werden, veranlassen Buffet & Crampon Frankreich nun  eine Buffet & Crampon Deutschland mit Sitz in Markneukirchen zu gründen.
    Am 24.02.2012 verstirbt Gerhard Julius Keilwerth in Nauheim.
    2015 Nachdem die Buffet Group Keilwerth übernommen hat wird es still um Keilwerth. Dennoch wird das MKX auf den Markt gebracht. Was wird aus der Traditionsmarke und dem Premiumhersteller Keilwerth?

    Zahlen, Daten, Fakten

    Seriennummern, Stückzahlen und sonstige Infos. Es ist immer schwierig bis unmöglich heute noch sichere Zahlen zu bekommen. Daher immer ohne Gewähr.

    Zahlen!

    Anhand der Seriennummernliste versuchen wir die hergestellte Zahlen an Instrumenten zu errechnen und mal hier darzustellen. Das gibt allerhöchsten einen tendenziellen Überblick über die produzierten Zahlen. Ein Schluß auf die genauen Herstellungszahlen, ist nicht möglich.
    Seit 2000 sind eigentlcih keine zuverlässigen Zahlen mehr bekannt geworden.

    1925-1930|

    1931 -1932 |

    1933-1935 |

    1936-1938 |

    1939-1941 |

    1942-1944 |

    1945-1947 |

    1948-1950 |

    1951-1953 |

    1954-1956 |

    1957-1959 |

    1960-1962 |

    1963-1965 |

    1966-1968 |

    1969-1971 |

    1972-1974 |

    1975-1977 |

    1978-1980 |

    1981-1983 |

    1984-1986 |

    1987-1989 |

    1990-1992 |

    1993-1995 |

    1996-1998 |

    1999-2000 |

    2001-2007 |

    Seriennummern

    Diese Liste stammt vom Hersteller direkt. Sie gilt daher als richtig. Einzige Ungenauigkeiten entstanden 1945/46 da nach dem Neubeginn der Produktion in Nauheim einfach bei 20.000 neu begonnen wurde, die Instrumenten durchzunummerieren.
    1930 - 1964
    1930 - 1946 1947 - 1964
    Seriennummer   Baujahr Seriennummer   Baujahr
    1 1925-1930 20001 1947
    1101 1931 20100 1948
    1701 1932 20101 1949
    2501 1933 20351 1950
    3501 1934 20751 1951
    5001 1935 21351 1952
    7001 1936 22151 1953
    9001 1937 23151 1954
    11001 1938 23351 1955
    13501 1939 24751 1956
    16001 1940 27751 1957
    17501 1941 30751 1958
    18501 1942 33751 1959
    19101 1943 36751 1960
    19601 1944 39751 1961
    19601 1945 42751 1962
    20001 1946 45751 1963
        48751 1964
           
    1965 bis 2007

    Forum

    Hier ist eine Auswahl an Beiträgen aus unserem Forum zu Adolphe Sax und seinen Instrumenten. Möchtest du etwas dazu sagen, dann musst du dich nur kurz registrieren und kannst dann in die Saxwelt eintreten.

    • Keine Beiträge vorhanden.

    Bilder & Sounds



    Sopran um ca. 1859

    Alto ca. 1875

    Soundschnipsel: Serenade Op33 von der CD Les Sax des Saxes

    Alto nach 1928 by Selmer

    Leider noch keine Bilder vorhanden :-(
    Schicke uns doch welche :-)

    Bariton Saxophon um ca. 1844

    Leider noch keine Bilder vorhanden :-(
    Schicke uns doch welche :-)

    Videos



    1. Fabrik in Kraslice
    Julius Keilwerth Saxophone

    Interviews

    Wir danken Gerhard Julius Keilwerth und  der Buffet Group Gemany für dieses Interview und die offene Beantwortung der zahlreichen Fragen.

    Fotos:

    Renaud Demoustier (Endorser für Keilwerth-Saxophone) ,

    Tino Riedel (zuständig für die Endkontrolle der Keilwerth-Saxophone

    Gerhard Julius Keilwerth in seiner Werkstatt in Nauheim

    Interviews zu Julius Keilwerth Saxophone

    Gerhard Julius Keilwerth

    Seit dem 01.02.2007 führt Gerhard Julius Keilwerth auf dem Gelände, auf dem sein Großvater nach der Vertreibung aus dem heutigen Tschechien die Traditionsfirma Julius Keilwerth in Nauheim wieder aufbaute, eine Werkstatt für Saxophone. Hier führt er die Tradition seiner Familie fort.

    Dabei ist er weiterhin als Berater der Firma Schreiber & Keilwerth tätig und sorgt hier für die Weiterentwicklung der Keilwerthsaxophone.

    Hier nun das Interview mit Gerhard Julius Keilwerth (Enkel von Julius Keilwerth) aus dem März 2008. Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich für die Beantwortung der Fragen bedanken.

    Uwe Ladwig schreibt in der Sonic 2/2007: "...In den frühen 1980er Jahren ging beim westdeutschen Hersteller Julius Keilwerth/Nauheim ein größerer Auftrag über die Lieferung von Baritonsaxophonen ein, für den man nicht genügend Fertigungskapazitäten hatte. Es wurde deshalb ein Sub-Auftrag über etwa 300 Bariton-Saxophone mit Tief A an B&S vergeben. Im Zuge dieser Kooperation floss einiges Know-how von Keilwerth an B&S, so dass auch spätere eigene B&S-Baritonsaxophone von dieser Zusammenarbeit profitierten. Immer wieder kolportierte Meldungen, wonach Weltklang-Saxophone von Keilwerth gebaut worden sein sollen, sind also falsch."
    Auf dem Internetportal von Saxpics geht es um das gleiche Gerücht, dieses Mal in Zusammenhang mit Richard Keilwerth: "Richard Keilwerth left the Amati company for Markneukirchen, Germany and founded another large woodwind company primarily concerned with clarinets. However, he also has stenciled a few horns for other companies, most notably the baritone saxophones for the Weltklang Company (the former FX Hüller company and now called the B&S Company -- a division of JA Musik). "
    Aus dem Forum von saxquest.com über Weltklangsopransaxophone heißt es: "Weltklang sop,s are a Richard Keilwerth stencil made late 40,s to 50,s in a town called Markneukirchen,[Klingenthal] east germany.Richard is well known for his clarinets, and baritone saxe,s under the Weltklang name.Weltklang sops mechanic,s where well engineered for there age, but the brass they where made acquired from the russian,s was of poor quality too much copper. "
    Nun meine Frage: können Sie etwas Licht in die vielen Vermutungen bringen, auch wenn es nur mittelbar ihren Betrieb betrifft? Wenn nicht, können Sie vielleicht eine Person nennen, die die genaueren Umstände der Bariton- und Sopranproduktion bei Weltklang oder Richard Keilwerth noch kennt?
    G.J. Keilwerth: Die Firma Julius Keilwerth kaufte von B&S ca. 300 Baritonsaxophone Tief A für den holländischen Hersteller Schenkelaars, dieser lieferte sie nach Nordafrika. Sie liefen nicht unter Julius Keilwerth Baritone, sondern waren serienmäßige, neutrale Baritonsaxophone von B&S, ohne Gravur. Sie hatten nur optische Änderungen, so waren z.B. die Klappenschützer von Julius Keilwerth.Richard Keilwerth hat Baritonsaxophone betreffend nicht mit der Firma B&S zusammen gearbeitet und Julius Keilwerth baute nie B&S Baritonsaxophone.

    Sind Sie selbst aktiver Saxophonist? Wenn ja, welches Saxophon spielen Sie?

    G. J. Keilwerth: Ich habe Saxophon gelernt, bin jedoch kein aktiver Spieler.

    Wie haben Sie den Rausschmiss der Nauheimer Produktionsmitarbeiter - also Menschen, die Sie teilweise persönlich kannten - erlebt, nachdem diese nicht bereit waren, auf einen beträchtlichen Teil ihres Einkommens zu verzichten?
    G. J. Keilwerth: Ich habe es sehr bedauert, hatte persönlich aber keinen Einfluss darauf. Auf Grund der Umstände war es leider nicht abzuwenden.

    Nicht ganz ein Jahr nach Schließung des Nauheimer Produktionsstandorts eröffnen Sie in Nauheim eine Instrumentenwerkstatt. Steht Ihr Ausstieg bei Schreiber + Keilwerth bevor?

    G.J. Keilwerth: Mein Geschäft inkl. Werkstatt habe ich am 01.02.2007 eröffnet. Also bereits 4 Wochen nach der Schließung. Mein Ausstieg bei Schreiber & Keilwerth steht nicht bevor, da ich über einen mehrjährigen Vertrag verfüge.

    Würden Sie mit verbundenen Augen den Unterschied zwischen einem SX 90 und einen SX 90R Shadow heraushören, natürlich bei gleichem Setup und gleichem Spieler?

    G.J. Keilwerth: Ja, den würde ich hören, vorausgesetzt der Spieler verwendet den gleichen Ansatz.

    Mich würde interessieren, in wie weit bei einer Neuentwicklung eines Saxophons Produkte von Mitbewerbern analysiert werden und bestimmte, positiv bewertete Eigenschaften, kopiert werden? Schaut sich eine Firma Keilwerth z.b. ein Yamaha an , bevor sie mit einem neuen Modell in die Entwicklung geht?

    G.J. Keilwerth: Ich vermute, das macht jeder Hersteller.

    Angenommen, man würde ein richtiges "Vintage"-Sax entwickeln, also mit den Klangeigenschaften eines z.B. ChuBerry von Conn (oder eines anderen berühmten Vertreters aus einer bestimmten Zeitepoche), würde eine Analyse der ergonomischen Vor-und Nachteile gängiger Mechaniken durchführen und das Beste daraus vereinen, zu welchem Stückpreis ließe sich ein solches Sax herstellen, wenn wir eine Serie von 1000 Stück ansetzen würden? Geht so etwas überhaupt (Herstellungstechnik, Materialverfügbarkeit etc.)?

    G.J. Keilwerth: Es wäre nur teilweise machbar, da das Material anders beschaffen war und in dieser Form heute nicht mehr zu bekommen ist. Zudem hat sich die Produktionsmethode für den Korpus geändert. Eine Verbesserung der Mechanik wäre allerdings kein Problem. Der Stückpreis würde in der obersten Preisklasse liegen.

    Haben Sie vor, oder können Sie sich vorstellen wieder Saxophone zu fertigen wie einst die Firma Ihres Großvaters?

    G.J. Keilwerth: Nein, das habe ich nicht vor. Da ich seit 01.02.2007 wieder selbstständig meine eigene Werkstatt mit Geschäft betreibe und nebenbei noch als Berater für die Entwicklung der Saxophone bei der Firma Schreiber & Keilwerth tätig bin, bin ich mit dieser Größenordnung sehr zufrieden.

    Glauben Sie, dass die Produktion von Saxophonen im Ramen einer Art Fließbandproduktion in Deutschland und Europa gegen die Saxophone aus Asien, und hier in Zukunft wohl verstärkt auf den Markt drängenden Saxophone aus China, eine Chance hat?

    G.J. Keilwerth: Nein, da die Lohnkosten viel zu hoch sind. Beim Saxophonbau können verschiedene Arbeitsgänge nur von Hand getätigt werden, z.B. die Montage der Klappen

    Ist die Gleichung Fließbandproduktion = mindere Qualität richtig?

    G.J. Keilwerth: Das kann man so pauschal nicht sagen, es kommt auf den Hersteller an.

    Ist der Markt für Qualitäts-Saxe groß genug? Gerade Qualitäts-Saxe kauft man ja nicht alle zwei Jahre neu, oder?

    G.J. Keilwerth: Bei einer Jahresproduktion von bis zu 2000 hochwertigen Qualitätssaxophonen ist der Markt vorhanden.

    Tut es Ihnen leid, dass Keilwerth kein Familienunternehmen mehr im alten Sinn ist?

    G.J. Keilwerth: Es wäre sicherlich schön, wenn es heute noch so wäre, aber ich habe mich ja, wie gesagt, mittlerweile wieder mit einer eigenen Werkstatt und Geschäft selbstständig gemacht. Das sehe ich jetzt als mein Familienunternehmen an, in dem mich sowohl meine Frau, als auch mein Sohn und meine Tochter tatkräftig unterstützen.

    Wo sehen Sie noch Entwicklungspotential bei den Saxophonen?

    G.J. Keilwerth: Ich denke, dass sich Hersteller hauptsächlich auf Entwicklungen der Produktionsmethoden konzentrieren werden.

    Wie stehen Sie zum Einfluss des Materials auf den Sound (Neusilber - Bronze - Kupfer), tatsächlicher Einfluss der Oberflächenbehandlung im Vergleich zur Bohrung, dem Tonlochnetz u.s.w.?

    G.J. Keilwerth: Unterschiedliche Materialien wirken sich erheblich auf den Sound aus. Auch die Oberflächenbehandlung hat Einfluss darauf, so dass z.B. ein lackiertes Messing-Saxophon anders klingt, als ein vernickeltes.

    Wieso bekommt man den Klang der legendären Vintage-Instrumente heute nicht mehr hin?

    G.J. Keilwerth: Früher waren die Zusammensetzung des Materials und auch die Produktionsmethode des Korpus anders.

    Warum können sich innovative (und funktionierende) Konstruktionen, wie die beweglichen Toptone-Disks, nicht etablieren; ist das nur traditionsbewusstes, konservatives Denken?
    G.J. Keilwerth: Teilweise. Durch den anderen Klappenaufschlag ist es gewöhnungsbedürftig.

    Sie haben so viele ältere Saxophone von Buescher, Conn, in ihrem Shop, was können Sie zum Klang dieser Instrumente sagen?

    G.J. Keilwerth: Diese Vintage-Modelle haben einen anderen Klang, als die heutigen Saxophone. Einige Musiker bevorzugen ihn, wieder anderen gefällt er nicht. Da dies reine Geschmackssache ist, biete ich meinen Kunden die Möglichkeit, jedes Instrument in meinem Geschäft ausgiebig zu testen.

    In einem anderen Forum (SOTW) wird von einer Person aus England immer wieder behauptet, dass das SX90R Tenor Verformungen an den "rolled tone holes" hat, so dass die Polster die Tonlöcher zum Teil nicht optimal abdecken. Dieser Engländer betreibt regelrecht eine Kampagne, so kommt es mir jedenfalls vor. Bisher hab ich noch nie eine Stellungnahme von Keilwerth zu dieser Behauptung gesehen. Ich finde, das Ausmass der Kampagne ist geschäftsschädigend, und ich versteh nicht, warum Keilwerth nicht reagiert.

    G.J. Keilwerth: Bei keinem Saxophon, egal von welchem Hersteller, sind die Tonlöcher 100% plan. Deshalb verwendet man Polster, die den Zweck haben, kleine Unebenheiten auszugleichen. Voraussetzung ist aber, dass das Sax richtig montiert ist.

    Warum wurde das SX 90 eingestellt?


    G.J. Keilwerth: Die Bestellungen waren rückläufig, die Nachfrage galt nur noch SXR Saxophonen.
    Warum gibt es eigentlich keine ergonomisch abgestimmten Größenunterschiede bei Saxophonen? Ich meine, wenn ich mir einen Anzug kaufe, passt Größe 98 immer, Größe 54 aber nie. Hat niemals jemand darüber nachgedacht, dass es Tenorsaxophone in Bb für Leute mit langen, mittellangen und kurzen Fingern geben müsste?

    G.J. Keilwerth: Wenn man auf alle möglichen Größenunterschiede eingehen würde, wäre nahezu jedes Instrument eine Sonderanfertigung. Das schließt eine Serienproduktion praktisch aus.
    Haben Sie sich schon einmal mit dem Thema "leises Saxophon", also so ein Silent Instrument für Übungszwecke in Mietwohnungen, auseinandergesetzt? Falls ja, was war das Ergebnis der Überlegungen?
    G.J. Keilwerth: Nein, über so ein Saxophon habe ich mich mir bisher noch keine Gedanken gemacht, da es sich per se nun mal um ein lautes Instrument handelt. Mit entsprechendem Zubehör, wie aufstellbare Kabinen oder Silent-Bags, ist lärmreduziertes Üben ja bereits möglich.
    Was würden Sie als die wichtigste Innovation im Saxophonbau der letzten Jahrzehnte bezeichnen?
    G.J. Keilwerth: Zu den wichtigsten Innovationen zähle ich persönlich Saxophone mit Neusilberkorpus. Deren Herstellung gestaltet sich zwar schwierig, dafür bestechen sie jedoch durch ihren besonderen Klang.
     
    Gerhardt Julius Keilwerth ist am 24.02.2012 verstorben.
    Die Buffet Group ist neuer Markeneigentümer der Julius Keilwerth Saxophone. Mit der Übernahme waren zunächst viele organisatorische Dinge zu erledigen und es blieb nur wenig Zeit für anderes.  So kamen bei den Kunden und Fans der Julius Keilwerth Saxophone immer neue Fragen auf, die nun hier exklusiv in der Saxwelt beantwortet werden. Dies hat man sich jedoch nicht so einfach gemacht und die Fragen von den jeweiligen Fachabteilungen beantworten lassen, die dafür zuständig waren. So stellte man sicher, dass jede einzelne Frage durch den zuständigen Mitarbeiter mit höchster Fachkompetenz beantwortet wurde.

    Wo sind die angekündigten Liebmannsaxophone? Werden diese noch produziert?

    Gerade aktuell ist es zu einer neuen Vereinbarung zwischen der Buffet Group und David Liebman über die Fortsetzung der Zusammenarbeit gekommen. David Liebman wird Ende September die Fertigung in Markneukirchen besuchen. Details und Informationen über die künftige Palette an Sopran-Saxophonen werden in Kürze separat veröffentlicht.

    Kein Hinweis zum Liebman-Sopran?

    1. Ist das zur Verfügung gestellte Prospekt nur ein Auszug aus dem Gesamtprogramm?
    2. Siehe Antwort zu 1.
    3. Welche Endorser stehen Keilwerth zur Seite?

    Bedeutende Musiker aus USA, wie z.B. David Liebman, Ernie Watts, Kirk Whalum, Ron Blake und Brad Leali, oder auch aus Europa, wie z.B. Pepe Lienhard , stehen Keilwerth seit Jahren zur Seite. Gerade aktuell ist auch Albie Donnelly (Supercharge) wieder zu Keilwerth zurückgekehrt und wir können Angela Puxi (Deutschland), Renaud Demoustier (Belgien), Vincent Jourde (Belgien) und Martin Kershaw (UK) als neue Keilwerth Spieler begrüßen.

    Wo bekomme ich ein Keilwerthsaxophon? Derzeit findet man hauptsächlich Sonderaktionen der Keilwerthsaxophone aber kaum mehr ein reguläres Angebot.

    Keilwerth Saxophone sind weltweit im Fachhandel erhältlich. Offizielle Fachhändler für die Instrumente der Buffet Group sind auf der Webpage  www.buffet-group.com ersichtlich.

    Neben der 90SXR-Reihe (R wie Rolled Tonholes) wird auch die SX90-Reihe "erweitert", um Bariton und Bass (Tenor und Alt -zwischendurch mal wieder Toneking genannt- werden aber nicht vorgestellt) . Aber zumindest das 90SX Bari und auch das Bassmodell verfügen nun auch über gebördelte Tonlöcher. Wo liegt dann der Unterschied zur SXR-Reihe ?

    Hier ist gemeint, dass die SX90 Reihe die Keilwerth Modellpalette um Bariton und Bass Saxophon erweitert. Alto und Tenor Saxophone der SX90 bzw. Toneking Reihe werden nicht mehr produziert.

    Das individuelle Bogendesign wird nur kurz irgendwo im Text erwähnt, aber nicht bei der jeweiligen Featureliste pro Modell. Wird dies gefertigt und wenn ja, für welche Modelle?

    Da alle Keilwerth Saxophone das typische weite Design des Bügels haben, ist dies nicht mehr separat in der Features-Liste bei jedem Instrument erwähnt.

    Im Text des ePaper heißt es, dass das SXR das einzige Sax mit verstellbaren Seitenklappen sei. Hmmm...das gibt es doch teilweise auch bei Jupiter ("Ergosax" heißt es dort, glaube ich).

    Die verstellbaren Seitenklappen sind eine Innovation von Keilwerth aus den 80er Jahren und in diesem Design - sowohl in der Höhe als auch im Winkel verstellbar - einzigartig.

    Was mir im Prospekt allerdings auch aufgefallen ist, ist dass Keilwerth unter "gebördelten Tonlöchern" offenbar was anderes versteht, als der Rest der Welt. Dort werden anscheinend alle Tonlöcher gebördelt und beim R-Modell dann noch zusätzlich Ringe aufgelötet. Oder versteht man hier das Ziehen der Tonlöcher als "Bördeln"?

    Hier hatten sich leider Druckfehler in der ersten Version des e-papers eingeschlichen. Die richtige Formulierung lautet „gezogene Tonlöcher mit aufgelöteten Bördelringen“ .

    Bei den Vintage-Modellen steht im Katalog z.B.: "Klappen: Hochglanzpoliertes Neusilber" Die Klappen sind aber matt. Wie werden diese in Zukunft ausgeführt?

    Auch hier hat der Fehlerteufel zugeschlagen, die Klappen beim Vintage Modell sind matt vernickelt.

    Wo ist denn das goldfarbene sx90r Bariton hin? Versteckt sich das irgendwo?

    Im Standardprogramm wird derzeit nur das SX90 Bariton (ohne Bördelringe) in der Ausführung Goldlack produziert. Auf Anfrage wäre allerdings als Sonderbestellung auch das SX90R Bariton in Goldlack erhältlich.

    Wie sieht es in Zukunft aus mit Buffet S3 Prestige und/oder Keilwerth CX-90?

    Beide Modelle sind nicht mehr im aktuellen Produktionsprogramm der Buffet Group und eine Wiederaufnahme der Produktion für diese beiden Modelle ist nicht geplant.

    Mich würde mal interessieren, ob es von Buffet wieder eigenständige Instrumente in der Traditioin des S1 geben wird.

    Die Buffet Group arbeitet derzeit an einem Projekt für eine neue Modellreihe von Buffet Crampon Saxophonen. Keilwerth Saxophone gelten als Referenz für den Jazz, Rock und Pop Bereich, die Buffet Crampon Saxophone werden hauptsächlich für den Klassik Bereich konzipiert. Nach aktueller Planung soll das neue Buffet Crampon Alto Saxophon auf der Shanghai Fair vorgestellt werden.

    Mich würde die Produktpolitik für Buffet / Keilwerth interessieren:
    Werden die beiden Saxmarken unabhängig voneinander fortgeführt?

    Ja!

    Oder werden die beiden Saxreihen zusammengeführt ? Wenn ja, wie?

    Nein!

    Welche der Baureihen beider Marken werden fortgeführt / eingestellt ?

    Derzeit sind keine Änderung geplant, aktuelle Baureihen werden fortgeführt.

    Werden einzelne Baureihen an neue Standorte verschoben? Wenn ja, wohin?

    Es sind keine Änderungen der Produktionsstandorte geplant.

    Wann wird die Keilwerthwebseite fertiggestellt werden?

    Die neue Webseite für Keilwerth ist entwickelt und wird nun kurzfristig online gehen.

    Wie kann es sein, dass es immer noch keine Möglichkeit gibt, sich online via Homepage über Keilwerth-Instrumente zu informieren? Meine letzte Information ist vom Herbst 2011. Da wurde mir mitgeteilt, die Keilwerth-Homepage würde "demnächst" veröffentlicht.

    Die Buffet Group hat die Webseiten für alle Marken neu entwickelt und da diese alle zu einem einheitlichen Termin online gehen sollen, kam es zu Verzögerungen. Für die Keilwerth Saxophone gibt es als Übergang zwei Facebook Seiten:

    Wie sieht es mit Garantieleistungen der Keilwerthsaxophone aus, die noch von der Firma Schreiber/Keilwerth verkauft wurden?

    Ansprechrtner in Sachen Garantieleistungen für Saxophone, die durch Schreiber/Keilwerth verkauft wurden, ist immer noch die Insolvenzverwaltung.

    Stimmt es, dass bei Keilwerth keine Endkontrolle mehr stattfindet? Spart Buffet hier die Kosten für einen Holzblasinstrumentenmeister zu Lasten der Händler bzw. der Kunden ein?

    Jedes bei der Buffet Group hergestellte Instrument durchläuft eine umfangreiche Endkontrolle, was selbstverständlich auch für die Keilwerth Saxophone gilt.
    Es handelt sich also hier wieder nur einmal um ein Gerücht.

    Was will Keilwerth (endlich) gegen die massiv auftretenden Intonationsprobleme mit dem D" beim sx90r Tenor unternehmen?

    Jedes Saxophon auf dem Markt hat seine eigene Charakteristik in Bezug auf die Intonation. Keilwerth arbeitet ständig an Verbesserungen seiner Instrumente. 

    Ich finde an Keilwerth u.a. toll, dass die Firma bundesweit Workshops veranstaltet. Sei es zum Thema Improvisation, Tonbildung oder Ensemblespiel. Gibt es irgendwo eine Übersicht (Download?), wann und wo diese Workshops stattfinden? Wie viele Workshops sind für den Rest von 2012 und für 2013 geplant? Wo finden sie statt?

    Diese Keilwerth Workshops gibt es sogar weltweit, Zeiten und Orte werden in der Regel durch die Dozenten oder den begleitenden Fachhandel bekanntgegeben. Informationen hierüber finden sich aber auch auf den Keilwerth Facebook Seiten bzw. dann auch auf der künftigen Keilwerth Webseite.

    Saxwelt trifft...

    Julius Keilwerth Saxophone -
    eine Legende lebt!

    Die Gerüchte wollen nicht verklingen. Gerüchte um die Existenz Keilwerth‘s. Da wird erzählt, Keilwerth gibt es nicht mehr, Keilwerth produziert nicht mehr, Keilwerth produziert noch, aber nicht mehr lange, auch die Buffet Group ist insolvent.

    Solche und ähnliche Gerüchte machen seit der Übernahme Schreiber Keilwerth‘s durch die Buffet Group aus Frankreich die Runde. Wir konnten uns nun persönlich davon überzeugen, denn die Buffet Group Germany, die Markeninhaber der Marke Julius Keilwerth Saxophone ist, lud uns nach Markneukirchen ein. So konnten wir uns selber davon überzeugen, was tatsächlich an den Gerüchten wahr ist und was nicht. Vorweg genommen, nichts!

    Bereits ca. 4 Wochen vor dieser Einladung war ich in Markneukirchen, um mich bei Amati in Kraslice mit Thomas Prem zu treffen. Nicht aber ohne zuvor in Markneukirchen vorbeizufahren und der Buffet Group Germany eine Einladung zum Saxwelt-Workshop im Oktober zu überreichen. Dabei lernte ich Jochen Keilwerth erstmalig persönlich kennen. Da ich nur wenig Zeit hatte, war dies leider nur ein sehr kurzes Treffen, was wir gut 4 Wochen später durch seine Einladung wiederholen und vertiefen konnten.

    Wir waren in einem sehr schönen Hotel in Markneukirchen, Ortsteil Breitenfeld, untergebracht. Das Hotel Zum Alpenhof. Ein uriges, bayrisches Hotel in Markneukirchen, Klasse!

    Bereits bei der Anreise begrüßte uns Stefan Mang und wir lernten Angela Puxi kennen. Sie folgte ebenfalls der Einladung und war schon sehr gespannt auf die Julius Keilwerth Saxophone. Am Abend versammelten sich dann alle Gäste zum Abendessen im hoteleigenen Restaurant. Neben Arnaud Montois, Jochen Keilwerth, Stefan Mang und Steffen Rahm waren Angela Puxi (Deutschland), Vincent Jourde (Frankreich) und Renaud Demoustier aus Belgien dabei. Es entwickelten sich trotz mancher Sprachbarrieren, insbesondere meiner, sehr interessante Unterhaltungen. Bis in die frühen Morgenstunden unterhielten wir uns rund um das Thema Saxophon.

    Unter anderem erklärte mir Arnaud Montois (Operational Marketing Director), dass der lang erwartete Relaunch der Julius Keilwerth Saxophon Webseite nun für den September geplant ist. Bisherige Rechteprobleme, die zuvor geklärt werden mussten, hatten einen früheren Relaunch verhindert. Man würde aber nun mit Hochdruck an dem Relaunch arbeiten und mir am folgenden Tag die ersten Versionen zeigen. Die darauf folgende Nachtruhe war dann viel zu kurz. Dies wurde aber durch ein ausgiebiges Frühstück versüßt.

    Um 9 Uhr ging es dann bereits in das Werk, in dem die Keilwerthsaxophone hergestellt werden. Einer kurzen Begrüßung durch Arnaud Montois, Jochen Keilwerth und Steffen Rahm, folgte eine sehr ausführliche Führung durch die Instrumentenfertigung. Natürlich lag hier der Schwerpunkt auf der Saxophonproduktion. Wir bekamen jedoch ebenso einen Einblick in die Produktion der anderen Instrumente. Insbesondere Klarinetten und Fagotte. Während Steffen Rahm uns jeden Produktionsschritt erklärte und sehr geduldig wirklich alle Fragen beantwortete, übersetzte Stefan Mang seine Erklärungen ins Französische.

    Was mich sehr überraschte, wir bekamen jeden Winkel zu sehen, keine Tür blieb verschlossen und wir durften alles fotografieren. Die Mitarbeiter zeigten uns ihre Tätigkeiten und wir durften auch sie bei der Arbeit ablichten.  So sahen wir die kompletten Produktionsschritte vom Blech bis zum fertigen Saxophon. Dabei führte ich sehr interessante Gespräche mit Jochen Keilwerth und Steffen Rahm, dem Koordinator

    Saxophon, der Buffet Group Germany in Markneukirchen. Er hat die komplette Kontrolle über den gesamten Produktionsablauf und ist für die derzeit 150 Mitarbeiter verantwortlich.


    Diese gut 3 Stunden dauernde Führung war sehr interessant und wir sahen ein modernes Produktionswerk, was nach meinem Verständnis, absolut auf der Höhe der Zeit ist. Jochen Keilwerth zeigte mir zudem den ganzen Stolz der Produktion, eine neue CNC-Maschine, die für die Produktion von Saxophon- und Klarinettenteile eingesetzt werden wird. Sie ist erst vor kurzem angeschafft worden und wird die alte Maschine in Kürze ersetzen.

    Wir lernten wie die Tonlochkamine gezogen werden und die Bördelringe aufgelötet werden, das es auch aufgelötete Tonlochkamine gibt, sahen das Stanzen eines Saxophonknies und wie das Fagott bei der Anlieferung in Markneukirchen aussieht und wie viele Klarinetten das Werk verlassen. Wir sahen die komplette Galvanik und bekamen auch die Abwasseranlage, die für die Reinigung der Abwässer zuständig ist, gezeigt. Sie allein nahm über ein Drittel dieser sehr großen Halle ein. Hier wird, gebeizt, versilbert und vernickelt.

    Durch die Montagehalle der Instrumente ging es nun zur Endkontrolle. Hier können wir dann mit einem weiteren Gerücht aufräumen und müssen nicht erst auf die Antwort auf unser Interview warten. Gleich zwei Mitarbeiter übernehmen hier die Endkontrolle und Einstellarbeiten.

    Sämtliche Saxophone werden auf Herz und Nieren geprüft, eingestellt, geprüft und wieder geprüft, ehe sie einem Testspiel unterzogen werden. Eigens für diesen letzten Schritt kommt ein Profisaxophonist und spielt jedes Saxophon einzeln an. Hat er etwas zu bemängeln, geht das Saxophon zurück in die Endmontage und wird nach den Anweisungen des Spielers erneut kontrolliert und eingestellt.  Danach geht es zurück auf den Anspieltisch und wartet auf eine erneute Kontrolle. Erst danach gelangt das Instrument in den Handel.  

    Und hier beginnt dann, zumindest aus meiner Sicht, ein wahrer Irrweg. Bevor ein Ersatzteil zum Händler in Deutschland gelangt, wird es aus Markneukirchen nach Mantes (Frankreich) in das dortige Zentrallager gesendet, um dann von dort aus nach Eingangs- und Ausgangskontrolle wieder zurück nach Deutschland zum Einzelhändler zu gelangen. Da vergehen schon mal sechs Wochen, bis ein Ersatzteil den Kunden erreicht. Was für das Instrument sicher ein Vorteil ist, ist bei Ersatzteillieferung, meiner Meinung nach in der heutigen Zeit einfach zu lange.

    Dies ist sicher dem Umstand geschuldet, dass Julius Keilwerth keine eigenständige Firma ist, sondern lediglich eine von mehreren Marken der Buffet Group, mit Hauptsitz in Frankreich. Wo wir dann gleich mit einem weiteren Gerücht aufräumen wollen, wonach auch die Buffet Group insolvent sei. Darauf angesprochen, erklärte Jochen Keilwerth: Dieses Gerücht hängt wohl damit zusammen, dass die Buffet Group Anfang des Jahres 2012 einen neuen Eigentümer erhalten hat. Denn im Februar 2012 wurde die gesamte Buffet Group an einen neuen Investor verkauft, der frischen Wind in die Gruppe gebracht hat. Wäre man insolvent, wäre der Kauf neuer Maschinen im sechsstelligen Eurobereich nicht mehr möglich gewesen. Dies ist für Jochen Keilwerth der einzige Grund, warum solch ein Gerücht in Umlauf geraten sein könnte. Es ist wieder eines ohne Wahrheitsgehalt.

    Im Anschluss an die Führung durch die Produktion gab es dann das große Anspielen der Instrumente. Angela Puxi, Vincent Jourde und Renaud Demoustier testeten die bereitgestellten Saxophone sehr ausgiebig. In der Zwischenzeit konnte ich mir die Vorabversionen der neuen Webseiten für die Julius Keilwerth Saxophone anschauen. Diese werden Ende August bis Ende September Online gehen. Während die englische und französische Version nahezu fertiggestellt waren, geht man nun an die Übersetzung der deutschen und japanischen Version.

    Leider mussten wir uns dann bereits gegen 16 Uhr verabschieden, da noch ein Besuch im Schloss Peseckendorf anstand, welches das Ziel unseres nächsten Saxwelt-Workshops ist.

    Wir haben zwei sehr schöne und äußerst informative Tage in Markneukirchen verbracht. Ich selber bin gegenüber solchen Firmenübernahmen immer sehr skeptisch eingestellt, muss aber sagen, dass mit der Offenheit, mit der mit uns umgegangen wurde und der Freundlichkeit, wie wir sie erfahren haben, meine Bedenken und Befürchtungen um die Julius Keilwerth Saxophone, derzeit, nahezu komplett beseitigt sind. Ich denke, man ist grundsätzlich auf dem richtigen Weg, die Premiummarke Julius Keilwerth Saxophone weiterhin in Deutschland zu fertigen. Ich hoffe sehr, dass dieser Weg auch in Zukunft so weiterverfolgt werden wird.

    Julius Keilwerth Saxophone werden derzeit noch in einer überschaubaren Anzahl produziert und müssen ihren Weg zurück in den Markt finden. Ich bin überzeugt, dies kann gelingen. Letztlich wird dies nur durch Qualität und Beständigkeit gelingen. Soweit ich das sehen konnte, tun die Mitarbeiter in Markneukirchen alles, dass dies so bleibt. Sicherlich warten noch einige Optimierungen in Ablauf und Kommunikation zwischen dem Werk in Markneukirchen und der Hauptniederlassung in Mantes darauf, angegangen zu werden. Man scheint aber in die richtige Richtung unterwegs zu sein.


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